Der Weg
Der Anfang war schon ziemlich schwierig. Plötzlich ging es hinaus in eine neue, helle Welt. Kalt war es. Trotzdem hatte ich das Glück, sofort umsorgt zu werden.
Eine ganze Zeit lang wurde ich begleitet. Mir wurde geholfen und mit der Zeit wurde ich immer breiter und fester.
Was mir niemand gesagt hatte – dass es auch noch anders geht.
Eine ganze Zeit lang konnte ich mich ausprobieren. Links herum, rechts herum. Durch die Bäume, über den Bach. Und so reifte ich weiter.
Mit der Zeit lernte ich noch anderes kennen. Es gab die ersten kleinen Berge, die ersten wunderschönen Gipfel. Aber auch die ersten Täler.
Was mir niemand gesagt hatte – dass es auch noch anders geht.
Ganz oft wusste ich nicht, wo es genau hin geht. Ab und zu hatte ich das Glück, und konnte ein Stück zurück und eine andere Richtung einschlagen. Ab und zu sah das aus wie eine kleine Delle, manchmal war doch schon eine größere Gabelung zu sehen.
Immer größer wurden mit der Zeit die Berge und immer schwieriger der Aufstieg. Manchmal musste ich mich ganz schön anpassen und schmal werden, bevor ich die Bergspitze erreichte. Wenn ich Glück hatte, ging es den Berg wieder seicht hinunter. Aber manchmal war dort auch nur eine große Klippe, die mich an einer anderen, deutlich tieferen Stelle, wieder dem Boden zuführte.
Was mir niemand gesagt hatte – dass es auch noch anders geht.
Ab und zu brauchte ich an dieser Stelle Rast. Aber weiter ging es dennoch. Auch wenn der Aufstieg schwer war und das gleiche Niveau kaum gehalten werden konnte.
Es gab noch andere wie mich. Manche begleiteten mich ein wenig, andere kreuzten mich. Manche halfen mir nach der Klippe und dem Tal wieder nach oben, andere stießen mich tiefer hinab. Manche verließen mich schon viel zu früh, andere bleiben.
Was mir niemand gesagt hatte – dass es auch noch anders geht.
Manchmal hast Du mir schon wehgetan, mit Deinen Füßen und Tritten. Andere Male konnte ich Dich leider kaum stützen und es fiel mir schwer zu sehen, dass Du glaubst, ich wäre nicht mehr da.
Trotz aller Irrungen und Wirrungen, Rechts- und Linkskurven, Bergen und Täler, Kreuzungen und Gabelungen, Begleitungen und Verlusten, Tritten und Stützen: Ich werde Dich weiter begleiten. Sicher bis an Dein Ziel, dass ich für Dich vor Augen habe.
Ich bin Dein Weg.
Und ich bin so einzigartig und gut – wie Du.
Ich wünsche frohe Weihnachten und einen guten Rutsch ins neue Jahr 2012!

Der Weg von Manuel 'Modi' Simon steht unter einer Creative Commons Namensnennung-NichtKommerziell-KeineBearbeitung 3.0 Unported Lizenz.
Words original Modi. © 2011 Manuel Simon. http://modi.de


